Am 21. September 2016 fand die Abschlusskonferenz des von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Projektes „Denkwerk: Industriegeschichte Erleben“ an der Technischen Universität Chemnitz statt. Denkwerk ist eine Programmlinie der Robert-Bosch-Stiftung, in der SchülerInnen, LehrerInnen und WissenschaftlerInnen in thematischen Schwerpunkten zusammenarbeiten und sich gemeinsam Wissensbestände erschließen, um damit auch Brücken zwischen schulischem und hochschulischem Lernen zu bauen. Das von 2014 bis 2016 an der Juniorprofessur „Humangeographie Ostmitteleuropas“ unter Leitung von Jun-Prof. Dr. Birgit Glorius durchgeführte Denkwerk-Projekt „Industriegeschichte Erleben“ hatte die industrielle Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Chemnitz und ihre Verankerung in Raumstrukturen, Gebäuden, Artefakten sowie in den Erinnerungen und Empfindungen der ChemnitzerInnen zum Thema. Als konkretes Produkt sollte eine Web-Application erarbeitet werden, mit der die vielfältigen Zugänge zu dem Thema Industriegeschichte anhand von interaktiven Stadtrundgängen individuell nachvollzogen werden können.

Zu der Abschlusskonferenz waren neben den am Projekt beteiligten SchülerInnen und LehrerInnen die Kooperationspartner aus dem Sächsischen Industriemuseums Chemnitz und dem Institut für Europäische Geschichte der TU Chemnitz sowie ein interessiertes Fachpublikum anwesend.
Im Mittelpunkt der Abschlusskonferenz stand getreu dem Titel des Projektes die Industriegeschichte der Stadt Chemnitz. Der Sammlungsleiter und wissenschaftliche Mitarbeiter des Sächsischen Industriemuseums Chemnitz, Achim Dresler, erläuterte in seiner Keynote „Industriegeschichte ist mehr als Technikgeschichte“ den breiten Ansatz des Begriffs „Industriegeschichte“, unter dem sich das Industriemuseum in seiner Forschungs- und Vermittlungsarbeit auseinandersetzt. Nach dieser thematischen Einstimmung ließ Jun.-Prof. Dr. Birgit Glorius das Projekt „Industriegeschichte Erleben“ Revue passieren. Wie hat alles angefangen? Was waren die Ziele? Und wie ist das Projekt gelaufen?

Jun.Prof. Dr. Birgit Glorius im Gespräch mit Dr. Oliver Brehm, Direktor des Sächsischen Industriemuseums Chemnitz

Jun.Prof. Dr. Birgit Glorius
mit Dr. Oliver Brehm,
Direktor des Sächsischen
Industriemuseums Chemnitz

Ziel des Projektes war es, in Zusammenarbeit mit SchülerInnen der 8. bis 11. Klassen des Chemnitzer Schulmodells und der Freien Waldorfschule Chemnitz sowie der Parzival -Schule eine Web-Applikation zu erstellen, mit der die Industriegeschichte der Stadt Chemnitz und die Einflüsse industrieller Tätigkeit auf die Stadtentwicklung vor Ort erlebbar gemacht werden. Industriegeschichte ist dabei weit gefasst und beinhaltet sowohl das Zeitalter der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wie auch die Entwicklungen bis 1945, die Zeit des Sozialismus, gefolgt vom Strukturwandel der 1990er Jahre bis in die heutige Zeit hinein. Vor allem das Wechselspiel der verschiedenen, industriellen Entwicklungsphasen und ihre Auswirkungen auf die Stadtentwicklung und die Menschen, die in ihr leb(t)en, sollte dadurch erfahrbar gemacht werden. Gemeinsam mit den WissenschaftlerInnen forschten die SchülerInnen innerhalb dieses Rahmenthemas. Sie gingen „ins Feld“, recherchierten im Staatsarchiv und im Stadtarchiv, lernten empirische Erhebungsmethoden kennen und arbeiteten aktiv an der Gestaltung der App mit. Dies bestätigten SchülerInnen der Freien Waldorfschule sogleich. In insgesamt vier kurzen Präsentationen stellten sie ihre Arbeit und Ergebnisse der gemeinsam durchgeführten Projektwoche vor. Beeindruckt waren die SchülerInnen, als Diplom Geographin Katja Manz die ersten Inhalte der App preisgab. „Das ist ja meine Stimme!“, „Oh, wie cool, so sieht das am Ende aus!“ waren zwei der vielen Ausrufe – und natürlich wollten alle gleich wissen, wann und wo es die App zum Herunterladen gebe.
 
In einem Ausblick wies Projektleiterin Jun.-Prof. Dr. Birgit Glorius auf die baldige Veröffentlichung der App hin, die zuvor noch die Schritte der technischen Fertigstellung und der Akkreditierung durchlaufen muss. Wenn diese Schritte geschafft sind, wird es einen offiziellen, publikumswirksamen Übergabetermin an das Industriemuseum geben, in dessen neu gestalteter Dauerausstellung der Hinweis auf die interaktive Erkundungsmöglichkeit der Chemnitzer Industriegeschichte integriert werden wird. Besichtigen kann man das Ergebnis indes nur im Gelände, an den Originalschauplätzen der Industrialisierung und des industriellen Lebens. Über eine für Apple und Android Geräte kompatible freie Download Möglichkeit kann die Applikation auf den meisten gängigen Handys abgespielt werden. Somit steht der eigenen Erkundung nichts mehr im Wege.